Interview mit Unternehmercoach Chulan Hagen

aus dem Buch „Jetzt werde ich Coach“ von C. Richter und P. Reitz, Beltz Verlag, März 2016

Frau Hagen, warum sind Sie Coach geworden?

Coach ist für mich einer der spannendsten Berufe unserer Zeit. Es fasziniert mich, die Stärken von Menschen zu erkennen, ihre Einzigartigkeit ans Licht zu bringen, ihre wahren Ziele zu entdecken und sie zu motivieren, diese Ziele auch zu erreichen. Menschen in ihrem professionellen und persönlichen Wachstum zu unterstützen, sie herauszufordern, mutig neue Wege zu gehen, ihre Grenzen zu erweitern und eigene Erfolgsstrategien zu entwickeln: Das war immer mein Traum.

Wie war Ihr Werdegang als Coach?

Zunächst habe ich Wirtschaftswissenschaften studiert und nach dem Abschluss als Dipl.-Kauffrau zwanzig Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet. Kaufmännische Leitung, leitende Positionen im Finanz- und Rechnungswesen, aber auch die Tätigkeit als selbstständige Unternehmensberaterin – meine Arbeitsfelder waren vielfältig und abwechslungsreich. Mit der Zeit hat sich dann aber mein Traumberuf immer deutlicher herauskristallisiert. Damit waren die nächsten Schritte klar: Die Ausbildung zum Business-Coach, zahlreiche Weiterbildungen/ eine intensive Weiterbildungszeit mit den Schwerpunkten Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung und schließlich die Gründung meines eigenen Unternehmens: Chulan Hagen Unternehmercoaching.

Welche Methoden wenden Sie bevorzugt an?

Meine Klienten sind Unternehmer und haben wenig Zeit. Aus der Vielzahl von Coaching-Methoden wähle ich deshalb diejenigen aus, die besonders schnell und effektiv auch zu anspruchsvollen Zielen führen. Ich bevorzuge Werkzeuge, die auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen basieren (z. B. Zürcher Ressourcen Model und Neuromarketing). Mit ihnen erreiche ich zügig nachhaltige Ergebnisse, die meine Klienten in ihrem unternehmerischen Alltag sofort umsetzen können.

Wie kamen Sie zu Ihrem Schwerpunkt?

Der Schwerpunkt „Unternehmercoaching“ hat sich wie von selbst aus meinem beruflichen Werdegang ergeben. In meiner Arbeit kombiniere ich zwei Bereiche: klassische Unternehmensberatung mit den Schwerpunkten Strategie, Marketing, Finanzen und das Unternehmercoaching. Diese Methode basiert auf meiner Überzeugung, dass der unternehmerische Erfolg nicht nur von einem guten betriebswirtschaftlichen Konzept, sondern auch erheblich von der Unternehmerpersönlichkeit abhängt.

Was war Ihr größter Fehler in Bezug auf Ihre Coaching-Tätigkeit?

Coaching ist meine Berufung. Ich hätte den alten Beruf viel früher aufgeben und mich dieser wunderbaren Tätigkeit widmen sollen!

Was war Ihre wichtigste/beste Entscheidung in Ihrer Coach-Karriere?

Gleich am Anfang meiner Karriere habe ich mich an einen erfahrenen Unternehmercoach gewandt. Er hat mir gezeigt, worauf es für einen Coach wirklich ankommt, z. B. die passende, klare Positionierung zu finden und eine intelligente Marketing- und Preisstrategie zu entwickeln. Diese Investition hat sich mehr als gelohnt: Ich habe mir damit finanzielle Verluste und viele Anfängerfehler erspart und von Erfahrungen profitiert, die ich ohne Mentor erst nach Jahren zusammengetragen hätte.

Auf welchen Erfolg blicken Sie gerne zurück?

Da fällt mir die Arbeit mit dem IT-Manager eines internationalen Konzerns ein, der sich wegen betrieblicher Umstrukturierungen von heute auf morgen selbstständig machen musste. Er kam verzweifelt zu mir und sagte: „Ich muss den nahtlosen Übergang aus meiner Festanstellung in die Selbstständigkeit schaffen und kann mir keine Gehaltsausfälle leisten.“ Gemeinsam haben wir für ihn ein tragfähiges Businesskonzept aufgestellt und umgesetzt, so dass er bereits nach zwei Monaten erste eigene Kunden gewinnen konnte.

Was finden Sie am Beruf des Coaches besonders reizvoll?

Als Coach genieße ich das Privileg, mit einzigartigen Menschen zu arbeiten. Das reicht vom Visionär mit einer absolut ungewöhnlichen Idee bis zum etablierten Unternehmer, der ein exklusives Produkt oder eine besondere Dienstleistung anbietet. Die Arbeit ist jeden Tag faszinierend und neu, es gibt kein Gefühl von Routine, jeder Klient fordert mich zu einem neuen Blick, neuen Impulsen und Ideen auf – sei es der Unternehmer aus einem anderen Kulturkreis, die Unternehmerin, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren muss oder der Existenzgründer über 50, der noch viel vor hat. Ich darf mit Menschen arbeiten, die den Mut haben, auch mal quer und anders zu denken. Indem mich diese Menschen auffordern, das Beste in ihnen zum Vorschein zu bringen, locken sie auch aus mir das Beste heraus.

Mal angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen. Was würden Sie dann bei der Gründung anders machen?

Der richtige Zeitpunkt, die gute und gründliche Vorbereitung, die Unterstützung durch meinen Mentor, das Wissen um meine Ziele: Alles ist perfekt gelaufen. Genau so würde ich es noch einmal machen.

Wie wichtig finden SIe eine Coaching-Ausbildung?

Eine qualifizierte Coaching-Ausbildung ist die Grundlage des Erfolgs im Coaching-Business. Ohne fundiertes Wissen, einen prall gefüllten Methodenkoffer und unermüdliche Praxis hat man im übersättigten Coaching-Markt kaum Chancen.

Was raten Sie Neulingen im Coaching-Business?

Üben, üben, üben. Das habe ich selbst gemacht und möchte es jedem Neuling empfehlen: Coachen Sie schon während Ihrer Ausbildung möglichst viele – besser hundert als zehn – unterschiedliche Menschen, vom Studenten bis zum Rentner, auch kostenlos, um sich an Ihren eigenen Coaching-Stil heranzutasten. Auf diese Weise lernen Sie, schnell und erfolgreich in echte Coaching-Prozesse einzusteigen, und gewinnen Souveränität im Umgang mit unterschiedlichsten Klienten und in verschiedenen Coaching-Situationen. Außerdem finden Sie heraus, mit  welchen Menschen Sie am besten „können“ (Ihre Zielgruppe) und welche Coaching-Werkzeuge „Ihre“ sind. Die Entwicklung der Coaching-Fähigkeiten ist aber nur die halbe Miete. Es reicht nicht aus, nur gut zu coachen. Der Coach muss gleichzeitig ein Unternehmer sein! Dafür braucht er eine glasklare Unternehmensvision, eine scharfe Positionierung und ein solides Businesskonzept. Unabdingbar finde ich während der Umsetzungsphase einen Mentor, der Feedback gibt und hilft, Momentum aufzubauen. Wer Besonderes schaffen will, braucht Mut, Selbstvertrauen und die Fähigkeit, festgefahrene Denkmuster zu verlassen. Wagen Sie das Eigene, statt das Gewohnte zu kopieren. Werden Sie zum Unikat. Sie werden es nicht bereuen!